Testbericht Vulcanet Reinigungstücher

Motorradfahren fahren macht Spaß. Motorrad putzen nicht. Motorrad putzen ist das Allerletzte! Während der Saison wird höchstens ein bis zwei Mal mit dem Lappen über den Scheinwerfer gewischt um die Fliegenkruste zu entfernen. Vielleicht sogar noch das ein oder andere Mal Benzinspuren am Tank mit einem feuchten Lappen entfernt, aber das war’s dann auch mit der lästigen Putzerei. Nur um jedes Jahr, wenn der Winter naht, vor dem gleichen Dilemma zu stehen und den Dreck von vielen tausenden von Kilometern zu bewundern. Doch wie nun am besten vorgehen?

Die auf den ersten Blick einfachste Lösung wäre wohl der Hochdruckreiniger, doch nachdem ich vor vielen Jahren mal beobachten konnte wie jemand für viel Geld Karosserie-Aufkleber und Schriftzüge unfreiwillig von seiner Verkleidung entfernt hatte, fällt diese Methode schon mal flach. Zudem sollte jeder, der ein selber gebautes Motorrad fährt von dieser Methode absehen. Wer‘s selber gebaut hat weiß schon von vornherein welche Teile und Ecken den Hochdruck-Strahl nicht heil überstehen würden. Gleiches gilt übrigens für Besitzer eines italienischen Motorrades. Wenn Ihr nicht wissen solltet wo dort das Problem sein soll, ich kann’s euch sagen: Alles was in irgendeiner Weise mit elektrischem Strom zu tun hat! Bleibt also nur ein Eimer Wasser und ein Lappen. Es wird viel Zeit in Anspruch nehmen, Ihr werdet euch die Finger an irgendwelchen scharfkantigen Teilen aufschneiden und wenn der Hobel nachher fertig und trocken ist werdet Ihr all die ganzen Stellen erkennen, die Ihr übersehen habt. Also dann, viel Spaß!

Dieses Jahr jedoch versprach mir die französische Firma Vulcanet Abhilfe indem sie mir eine Box ihrer Feuchttücher zukommen ließ (nein, nicht jene Sorte mit dem flauschigen Hundewelpen-Foto auf der Verpackung, welche Ihr immer benutzt nach einem feurigen Curry beim Inder). Die Vulcanet Putztücher versprechen ein einfaches Waschen der Motorrades, des Autos oder des Fahrrades ohne Wasser, im Handumdrehen. Meine Rettung? Mal sehen…

Die Putztücher kommen in einem schwarzen Schraubbehälter welcher 85 bis 88 von den Dingern beinhaltet. (schnelle Rechnung: eines von den Tüchlein kostet also ca. 50 Cent). Im Schraubdeckel befindet sich ein Mikrofaser-Tuch, welches zum Putzen unabdingbar ist. Die getränkten Tücher kommen in Form einer vor-perforierten Rolle so dass Ihr euch ganz bequem nach Bedarf ein neues abreißen könnt. Den Deckel sollte man jedoch anschließend wieder verschließen um ein Austrocknen der Tücher zu verhindern.

Ich hatte zum Zeitpunkt des Versuches 4 Motorräder in der Garage, alle in verschiedenen Verschmutzungs-Stadien: das erste, ein Eigenbau, in nur leicht verschmutztem Zustand da die Mühle Vergaserprobleme hatte und somit nicht allzu viel bewegt wurde. Zweites Bike, eine Ducati Scrambler, vor zwei Monaten vom Händler geputzt als sie zum Service in der Werkstatt war, eine H-D Sportster 48, vor ziemlich genau einem Jahr zum letzten Mal richtig gewaschen und zu guter Letzt eine Sarolea aus dem Jahre 1937, vor zwei Monaten aus einem fast vierzigjährigen Tiefschlaf in einer Scheune geholt, inklusive dem Staub und Dreck von 4 Jahrzehnten. Mit der Aussicht auf ein rasches Glücksgefühl in kürzester Zeit beginne ich mit dem Eigenbau, da dies wegen der nur leichten Verschmutzung nach einer schnellen Nummer aussieht. Und in der Tat, in diesem Falle wissen die Vulcanet-Tücher sehr zu überzeugen. Die Meisten der Teile an diesem Bike sind lackiert so dass ich tatsächlich mit nur einem einzigen Tuch den ganzen Bock zum Glänzen bringe. Man sollte sich jedoch vor Beginn einen kleinen Schlachtplan festlegen damit man aus jedem einzelnen Feuchttuch das Meiste herausholt. Anfangs, wenn die Tücher ganz frisch und noch stark getränkt sind sollte man Lackteile, Sitzbank sowie Plastik- und Gummiteile putzen. Ein Wisch mit dem Tuch hinterlässt einen dünnen Feuchtigkeitsfilm, welcher nach zwei Minuten austrocknen mit dem Mikrofasertuch nachpoliert wird. Das Resultat ist sehr überzeugend, Lack, Sitzbank, Gummi sowie Plastikteile sehen ohne großen Aufwand aus wie neu. Wenn das Tuch dann durch den Gebrauch allmählich austrocknet, kann man an die Stellen übergehen, welche dem Tuch den Rest geben wie zum Beispiel die Felgen inklusive Kettenfett. Nach 10 Minuten ist das ganze Motorrad geputzt und glänzt wie selten zuvor. Klasse!

Also weiter zu dem nächsten Motorrad, nämlich der Sportster. Hier sieht die Sache dann schon ganz anders aus, da hängt richtig viel Schweinerei dran. Bevor ich jedoch zu den Vulcanet-Tüchern greife entferne ich mit einem anderen Lappen am Rahmen verkrustete Schlamm-Reste. Man muss die Kohle ja nicht in Form von 50 Cent-Tüchern zum Fenster raus schmeißen. Wie gehabt putzen auch hier die Vulcanet Tücher lackierte Karosserieteile, Gummi, Plastik und Sitzbank im Handumdrehen. Trotz des weitaus größeren Schmutzaufkommens geht die Arbeit blitzschnell von statten und ich wähne mich schon als den neuen Putzkönig. Mit zwei Tüchern glänzen sämtliche glattflächigen Oberflächen wie neu. Hier nun finde ich aber heraus, dass die Vulcanet-Tücher die gleichen Probleme mit stark eingetrockneten Insektenresten haben wie jedes andere Putzmittel auch. Mit einem einzelnen Vulcanet-Putztuch sowie viel Geschrubbe habe ich den Friedhof dann aber trotzdem noch beseitigt. Doch dann komme ich zum Motor, welcher bei der Forty-Eight in diesem rauen, schwarzen Lack gehalten ist. Hier sind die Vulcanet-Tücher leider sinnlos, da sie sich komplett daran Auflösen. Gleiches gilt zum Teil für die Krümmer-Abdeckungen, welche auch in einem recht rauen Mattlack gehalten sind und die Vulcanet-Tücher an ihr Grenzen bringen. Hier muss also doch ein Schwamm, eine Bürste oder ein anderer, konventioneller Lappen ran. Zum Schluss steht aber auch dieses Motorrad nach ungefähr einer halben Stunde sauber glänzend da, verbraucht habe ich 4-5 Vulcanet Tücher, gekostet hat mich die Sache somit ungefähr zwei bis zweieinhalb Euro.

Die Scrambler hat sich alles in allem mit drei Tüchern sowie dem gleichen Arbeitsaufwand genauso gut putzen lassen. Zum Schluss, eigentlich eher um die eigene Neugierde zu befriedigen, habe ich dann auch ein frisches Tuch genommen um zu sehen wie weit ich bei dem vierzigjährigen, staubtrockenen Schmodder damit komme. Es funktioniert tatsächlich erstaunlich gut, ich schätze aber dass ich für den ganzen Hobel die Hälfte der Packung brauchen würde.

Kommen wir also zum Fazit: Die Vulcanet-Tücher erledigen meines Erachtens nach einen ganz guten Job, bringen das Meiste am Motorrad schnell und ohne viel Aufwand zum Glänzen und sind komfortabel in der Handhabung. Die Tücher riechen recht stark, was aber nicht dramatisch ist. Haut-Irritationen hatte ich auch keine an den Händen. Wer sich aber nun fragt, wieso er 45€ für diese Tücher ausgeben soll wenn er das Gleiche auch mit Wasser und Seife hinkriegen kann dem sei gesagt, dass der Aufwand mit den Vulcanet-Tüchern quasi null ist. Tuch aus der Packung, Motorrad geputzt und fertig. Kein Schlauch, kein Eimer, keine Seife, kein nasser, glitschiger Boden. Die Sache ist im Handumdrehen geschehen und wer möchte, kann sich auch ein paar von den Dingern in einen Frischhaltebeutel stecken und mit in den Urlaub oder zum Motorrad-Treffen nehmen (hierfür bietet Vulcanet sogar ein Travel Kit an, welches erlaubt ein paar Tücher sowie das Mikrofasertuch in einem Behälter am Motorrad anzubringen oder sonst wo mitzunehmen). Ich denke, dass der größte Vorteil der Vulcanet-Feuchttücher die Einfachheit der Verwendung darstellt. Ich habe mir nämlich fest vorgenommen, nächstes Jahr mindesten einmal im Monat jeden Bock einmal schnell mit einem Vulcanet-Tuch zu putzen, was wahrscheinlich nicht viel mehr als fünf bis zehn Minuten in Anspruch nehmen wird. Das Groß-Reinemachen am Ende des Jahres wird aber vermutlich viel schneller vonstatten gehen als bisher.

Unglaublich! Hexerei!

Die Vulcanet-Feuchtücher könnt Ihr bei vielen, ausgesuchten Fachhändlern sowie auf der WEBSITE von Vulcanet selbst beziehen.

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