TEX-Design's Buell XB GCode 1.2

Vor vielen Jahren habe ich mal ein ganzes Auto wegen eines einzigen, auf den ersten Blick unbedeutenden Ersatzteils, gekauft. Okay, es handelte sich um die Restauration eines klassischen Fahrzeuges und eben jenes, unscheinbare doch relevante Ersatzteil war im Einzelnen zu dem Zeitpunkt nicht erhältlich. Und weil ich mich irgendwann endlich in die Karre setzen wollte und damit fahren, musste ich eben zu dieser "Mit Kanonen auf Spatzen schießen"-Methode übergehen. Ganz umsonst war die Sache ja auch nicht, konnte ich doch zahlreiche weitere Teile, welche ich zwar nicht wirklich benötigte doch nun eben mal besaß, ins Regal legen. Gebraucht habe ich den ganzen restlichen Krempel übrigens nie.

Vor ein paar Jahren dann las ich in einem Oldtimer-Magazin von Firmen, die sich darauf spezialisiert haben verschiedene kleine Ersatzteile wie Belüftungsdüsen, Druckknöpfe und so weiter auf 3D-Druckern nachzubilden. Nun kann ich mir vorstellen, dass die damals von mir frenetisch gesuchte Armaturenbrett-Abdeckung heutzutage wahrscheinlich in solch einem Voodoo-Kasten nachgebildet werden könnte. Viel Arbeit und überfüllte Regale wären mir damit erspart geblieben.

Heute, im Jahre 2017, ist man soweit jeden erdenklichen Kram, von der E-Gitarre über Schuhe bis zum Ballermann, auf diesen Geräten nachbilden zu können. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis dass jemand mit einem Motorrad aus dem 3D-Dings um die Ecke kommt. Besagte Ecke liegt in Italien, dieser Jemand heißt Paolo Tesio und das Resultat seiner 3D-Arbeit ist dieser Buell XB Gcode genannte Prügel. Ich bin ja normalerweise nicht für allzu futuristisches Design zu begeistern, aber das Ding hier…Verdammt!

Doch lassen wir uns den Entstehungsprozess der Buell XB Gcode 1.2 doch einfach vom Erbauer, also Paolo Tesio der Firma TEX-Design, selbst erklären:

Die Idee zu diesem Projekt kam mir im Jahre 2015. Fasziniert von dessen ausladenden Ausmaßen, wollte ich schon seit längerem Hand an einen Amerikanischen V-Twin legen. Mir gefielen zudem die starke Persönlichkeit sowie die vielen, mehr oder weniger logischen Innovationen der Marke Buell. Als ich dann schlussendlich mit dem Projekt begann, ahnte ich noch nicht welche epischen Ausmaße dieses annehmen sollte. Von den 18 Monaten Bauzeit verschlangen alleine das Design sowie die ästhetische Entwicklung, durchgeführt ausschließlich mit 3D Software, ganze 12 Monate. Üblicherweise startet man für ein Projekt wie dieses mit einem leeren Blatt Papier und Skizzen, welche anschließend mit Hilfe der Software digitalisiert werden. Ich habe aber in diesem Fall beide Etappen auf eine Einzige reduziert und sofort mit der Arbeit in der 3. Dimension begonnen, wodurch ich perfekte Kontrolle über die Formen der entworfenen Teile behielt und zudem eine ganze Menge Zeit einsparte.

Da ein Motorrad immer ein Zusammenspiel aus Funktionalität und Optik ist, muss jedes ästhetische Element in perfekter Harmonie zu seinem mechanischen Gegenstück stehen und umgekehrt. Deshalb war es unumgänglich, absolut jedes Element und Detail der Maschine manuell einzuscannen um beim späteren Zusammenbau böse Überraschungen zu vermeiden. Da sich harte Arbeit aber meistens auszahlt, wurde ich am Ende mit perfekter Passgenauigkeit sowie minimalsten Spaltmassen belohnt. Die Reduzierung des Kabelbaumes stellte sich auch als schwieriger als ursprünglich angenommen dar, dies durch die Platzierung der ECU unter der Frontverkleidung, gleich oberhalb des Scheinwerfers.

Von Anbeginn des Projektes hatte ich, ganz wie beim Ducati Monster-Kit, eine außergewöhnliche Front des Bikes im Sinn. Diesmal sollte es jedoch etwas komplett neues, innovatives sein. So kam ich auf die Idee mit der T.C.S.-getauften, teleskopischen Gabelabdeckung. Dahinter steckt eine komplexe, CNC-gefräste Aufnahme welche an den originalen Befestigungspunkten für das Vorderrad-Schutzblech befestigt wird. Versteckt hinter der Leuchteinheit aus dem Hause Husqvarna erlaubt diese Aufnahme eine mitschwingende Fixierung der Lampe auf Höhe des Vorderrades. Dies verleiht dem Bike eine außergewöhnliche und aggressive Optik.

Die Struktur des Heckrahmens ist speziell erdacht worden um sichtbar zu bleiben und somit als neues Stilelement zu fungieren. Die konventionelle Original-Batterie wurde durch eine Lithium-Einheit ersetzt und in einem speziellen, 3D gedruckten Gehäuse unter der Sitzbank platziert. Der Original-Luftfilterkasten wurde durch drei einzelne Elemente, von der Form erinnernd an den Rücken eines Cyborgs, ersetzt. Die beiden vorderen Lufteinlässe, neben dem Tankstutzen, versorgen den Luftfilter mit Frischluft während zwei Auslässe eine ordentliche Evakuierung der Hitze des hinteren Zylinders garantieren. Die Luftfilterabdeckung wurde auch im 3D-Drucker hergestellt ganz wie das kleine Logo an der Front, welches bei eingeschalteter Zündung aufleuchtet.

Für dieses Projekt musste ich einen ganzen Haufen Geld für den Kauf eines ordentlichen 3D-Druckers, nämlich den Playmaker 2 der italienischen Firma I3D, aufbringen. Doch die Ausgaben haben sich gelohnt, ich bin nun imstande sämtliche Teile fürs Kit komplett in Eigenregie herzustellen. 3D-Drucker sind eine wunderbare Technologie; kein Materialabfall und wenn man zu Beginn ganze Arbeit beim Erstellen der Einzelteile in der 3D-Software geleistet hat gibt es anschließend auch keine böse Überraschung.

Genau wie mit dem Ducati Monster-Kit plane ich eine Kleinserie des XB Gcode-Kits. Wegen dessen Komplexität sowie der Hochwertigkeit der verwendeten Materialien sollte man sich aber keinen Schnäppchenpreis erwarten.

Wenn Ihr also nun eure eigen Buell in solch einen Kopfverdreher verwandeln wollt, besucht einfach die WEBSITE von TEX-DESIGN. Ducati Monster Besitzer sollten sich auf alle Fälle auch das angebotene Kit für ihr Motorrad ansehen; wäre ich Besitzer einer dieser beiden Modelle wäre mein Sparschweinchen nun in konkreter Gefahr.

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